Sonntag , 27 Oktober 2019
Editorial vom 24.09.2014

Editorial vom 24.09.2014

Liebe Leser!

Merck mit Paukenschlag“, „SAP kauft sich in die Cloud“ und „Siemens greift an“ – das sind nur ein paar der Schlagzeilen der vergangenen Tage. Sie beschreiben die milliardenschweren Übernahmepläne von deutschen DAX-Unternehmen. Diese Konzerne mischen nun kräftig mit. Ob die Zukäufe ein Erfolg sein werden, wird man erst in Jahren wissen.

Fakt ist: sie sind getrieben von günstigen Finanzierungsmöglichkeiten, zu viel Liquidität und dem Wunsch, in neuen Märkten schnell eine gute Position einzunehmen. Für uns ist das aber auch der letzte Beweis, dass wir uns nun tatsächlich im letzten Drittel dieser Börsenhausse befinden. Was uns noch fehlt, wenn man denn Parallelen zu den beiden letzten Aufschwungsphasen ziehen will, sind die „Hochzeiten im Himmel“, wie einst bei Daimler und Chrysler oder auch große, kreditfinanzierte Übernahmen wie im Fall von RBS und ABN Amro. Angesichts der laxen Notenbankpolitik sollte der Boom bei Mergers & Acquistions aber noch eine Weile anhalten können.

Ganz nebenbei: in der Regel sind Übernahmen das Eingeständnis, dass man in der Vergangenheit Marktentwicklungen verpasst oder falsch gedeutet hat. Anleger bezahlen mit diesen Zukäufen also für die Fehler des Managements.

Sesam, öffne dich!

Alibaba und sein Bruder Kasim lebten einst in Persien. Sie waren arm und träumten beide von großen Reichtümern. Kasim heiratete zu diesem Zweck ein wohlhabendes, aber dickes Mädchen. Alibaba ehelichte dagegen eine wunderschöne, aber arme Frau und träumte als bescheidener Mann von besseren Zeiten. Und die kamen auch, als er eines Tages auf die 40 Räuber stieß … Den Rest dieser Geschichte kennt die halbe Welt.

Und nun ist sie für einen chinesischen Lehrer wahr geworden. Am Freitag hat Alibaba den größten Börsengang aller Zeiten hingelegt und Jack Ma wird ganz leise „Sesam, öffne dich!“ gesagt haben. Selbst nach der ersten Notiz legte das Papier des Internethändlers – quasi Ebay, Paypal und Amazon in einem – um ein Drittel zu. Am Ende das ersten Handelstages war das Kaufhaus aus dem Reich der Mitte fast so viel Wert wie der größte Einzelhändler der Welt: Wal Mart. Aber was macht Jack Ma so begehrt? Es ist eine Kombination: Internet plus China plus Kleine-Leute-Ethos, den gerade die US-Amerikaner so lieben. Insofern haben sich viele darum gerissen, möglichst frühzeitig in das chinesische Unternehmen der Zukunft zu investieren. Die Volksrepublik ist jetzt schon der Online-Mark schlechthin.

Übrigens: richtig teuer ist die Aktie nicht. Wenn Alibaba die Analystenerwartungen erfüllt, liegt das KGV bei 20. Solch eine Bewertung erreicht auch so manch angestaubter DAX-Konzern.

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Bild: Martin Kolb / pixelio.de
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