Mittwoch , 18 Mai 2022

Aktie der Woche: AMP Biosimilars – Eine neue Formycon?

Einst war Deutschland die Apotheke der Welt. Die Konzerne Höchst, Bayer und BASF versorgten die Menschheit mit immer neuen Pillen und Säften und sorgten so für Jobs und Gewinne. Diese Zeiten sind aber schon lange vorbei. Nur noch Bayer ist im Pharmageschäft aktiv, BASF ist heute „the chemical company“ und Höchst ist bekanntlich in der französischen Aventis aufgegangen, die heute als Sanofi am Markt ist. Die Chance, im neu entstehenden Biotechsektor an alte Traditionen anzuknüpfen, haben deutsche Konzerne und Entrepreneure weitgehend verpasst. Hier spielt die Musik in Nordamerika, Großbritannien oder der Schweiz. Doch es gibt wieder etwas Hoffnung. Und der kommt aus dem Bereich Biosimilars. Hierbei handelt es sich um die Nachbildung eines biotechnologisch hergestellten Medikaments, dessen Patentschutz abgelaufen ist. Dabei wird wie bei einem Generika mit dem gleichen Wirkstoff der gleiche Effekt angestrebt. Allerdings ist der Nachbau weitaus komplexer als bei einem üblichen Generika. Die Europäische Union hat hier frühzeitig für einen Rechtsrahmen gesorgt, während die US-Behörden hinterherhinken. Somit könnte sich hier wieder ein zartes Pflänzchen entwickeln.

Heißer Markt

Der Markt gehört zu den heißesten im Gesundheitsbereich. Studien zufolge soll er von aktuell 3 Mrd. US-Dollar auf ein Volumen von 110 Mrd. US-Dollar binnen zehn Jahren wachsen. Mit der Formycon AG hat hier ein Unternehmen bereits an der deutschen Börse für Furore gesorgt. Die Aktie hat sich in diesem Jahr in der Spitze verdreifacht, die Marktkapitalisierung liegt jenseits der 200 Mio. Euro-Marke. Diesen Weg würde wohl auch gerne die AMP Biosimilars AG gehen. Das Unternehmen mit Sitz in Hamburg ist als Spin-Off aus der Leipziger AMP Therapeutics GmbH hervorgegangen. Im Hintergrund tummeln sich jede Menge Ex-Boehringer Ingelheim-Verantwortliche, 75% der Aktien liegen bei Leipzig Ventures.

Zwei Auslizenzierungen nach China

Das Management um den Chemiker Marc W. Hentz und CFO Gunnar Janssen, einem Ex-Banker, strebt noch dieses Jahr an den Entry Standard. Gute Nachrichten gibt es auch schon. So hat AMP Ende Mai die Auslizenzierung eines ersten Biosimilars an einen chinesischen Mittelständler bekanntgegeben. Der Partner wird die weitere Entwicklung und Zulassung von „ABY-018“ im Rahmen eines Joint-Ventures übernehmen, und erhält dafür die vollständigen Vermarktungsrechte in China. AMP wird über das JV an möglichen Dividenden beteiligt sein und eine prozentuale Erlösbeteiligung (Royalties) erhalten. Darüber hinaus können die Hanseaten das Produkt dann außerhalb der Volksrepublik weltweit vermarkten. „Hier ist sowohl ein großer Deal als auch eine Lösung für verschiedene Märkte im Gespräch“, so Hentz im Interview mit dem Investor Magazin. Insgesamt hat AMP vier Biosimilars in der Pipeline, ein weiteres wurde kürzlich ebenfalls an ein chinesisches Unternehmen auslizenziert.

Große Chancen, großes Risiko

Sollte alles nach Plan laufen, könnte sich die Kasse von AMP schnell füllen. Im Gegensatz zu Biotechprodukten müssen Biosimilars keine aufwändige und langwierige Phase-II-Studie durchlaufen, wodurch die Nachbildungen deutlich schneller auf den Markt kommen können. AMP hat derzeit rund 2 Mio. Euro in der Kasse. Bei einer monatlichen Cash-Burn-Rate von rund 100.000 Euro sollte bis zu den ersten Einnahmen keine Kapitalerhöhung notwendig sein. Mit dem Schritt in den Entry Standard sollte die Aufmerksamkeit deutlich steigen, zumal mit Formycon ja bereits ein viel beachtetes Unternehmen an der Börse unterwegs ist.

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Bild: pixabay

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