Sonntag , 21 Juli 2019
Editorial vom 25.06.2014

Editorial vom 25.06.2014

Liebe Leser!

Wer während einer WM-Partie der chilenischen Nationalmannschaft Aktien in dem Land kaufen will, kann das wohl vergessen. Das ist eine der Aussagen einer Analyse der Europäischen Zentralbank. Demnach kam der Handel während der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika 2010 zu Zeiten der Partien fast komplett zum Erliegen. Und auch beim derzeitigen Turnier ist der Effekt eindeutig, zumal das Andenland zu den bisher besten Teams gehört und souverän das Achtelfinale erreicht hat: „Als Chile letztes Mal spielte, war der Markt tot“, sagte beispielsweise der Analyst Arturo Curtze von Vantrust Capital gegenüber Bloomberg. Doch auch in Europa sind solche Effekte zu spüren. Auf dem Frankfurter Parkett ist derzeit fast nichts los. Unternehmen scheinen zudem bewusst ihre Roadshows um den WM-Kalender herum gelegt zu haben. Dementsprechend könnte derzeit so manche Kursbewegung dem Zufall geschuldet sein. Oder aber findigen Aktienhändlern, die die niedrigen Börsenumsätze nutzen, um mit wenig Einsatz die Notizen in die gewünschte Richtung zu bewegen. Seien Sie also bei der Interpretation von auffälligen Kursbewegungen derzeit auf der Hut, insbesondere bei Small Caps.

Unübersichtliche Weltlage

Während der Großteil der Weltbevölkerung Richtung Zuckerhut blickt, geht es im Nahen Osten und der Ukraine heiß her. Die mit westlichen Waffen hochgerüsteten ISIS-Terroristen  überrennen den Irak, während in der Ostukraine um den brüchigen Waffenstillstand gekämpft wird. Dass man die Auswirkungen auch auf die Börse Ernst nehmen muss, zeigt der Blick aufs Öl. Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent hatte sich jahrelang in einem Korridor zwischen 90 und 110 US-Dollar bewegt. Für das stabil hohe Niveau wurde vor allem der „Arabische Frühling“ verantwortlich gemacht. Die ISIS spielt jedoch in einer andere Liga und muss ernstgenommen werden. Hier droht der Zerfall eines der ölreichsten Länder der Welt. Zwar kann die Produktion des Irak durch die Kapazitäten Saudi-Arabiens aufgefangen werden, man stößt allerdings an Grenzen. Einen weiteren Krisenherd in einem wichtigen Lieferland wie Nigeria kann die Weltwirtschaft derzeit nicht gebrauchen. Schon jetzt stöhnen Airlines und Chemiekonzerne über die gestiegenen Kosten. Steigt der Preis aber dauerhaft, dann wird sich die Lage definitiv verschärfen. Die DAX-Konzerne beispielsweise, die bereits in den beiden Vorjahren kaum ihre Unternehmensgewinne steigerten, dafür aber kräftige Kurssteigerungen verbuchen konnten, geraten spätestens dann unter Druck. Da hilft dann im Zweifel auch kein niedriges Zinsniveau mehr. Die Börsenampel steht derzeit auf Dunkelgelb!

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Bild: Martin Kolb / pixelio.de
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