Samstag , 17 August 2019
Aktie der Woche: Bilfinger – Bringen die neuen Chefs die Wende?

Aktie der Woche: Bilfinger – Bringen die neuen Chefs die Wende?

Um rund 17% legte der MDAX in den vergangenen zwölf Monaten zu. In diesen Tagen markierte der Index für Deutschlands zweite Börsenliga einen neuen Allzeitrekord. Indexmitglied Bilfinger (52,97 Euro; DE0005909006) hatte mit dieser guten Entwicklung aber wenig zu tun: ganz im Gegenteil. Die Aktie des Dienstleisters rund um Bau, Immobilien und Infrastruktur gab um mehr als 40% seit Februar 2014 nach. In der Spitze halbierte sich der Kurs seit dem letzten Frühling. Verantwortlich hierfür waren vier Gewinnwarnungen, die das Vertrauen der Anleger zerstört haben. Als Politiker konnte man vom streitbaren Hessen Roland Koch halten, was man will. Da gehen die Meinungen auseinander. Als Bilfinger-CEO hat der Bad Sodener aber versagt. Folgerichtig musste Koch seinen Stuhl räumen. Seine Nachfolger wecken aber Hoffnungen auf eine nachhaltige Wende.

Neue Besen kehren gut!

So hat der Aufsichtsrat Axel Salzmann zum neuen Finanzchef berufen. Der 56-Jährige kommt von Pro7Sat1 Media. Neben dem Diplom-Wirtschaftsingenieur hat das Aufsichtsgremium zudem mitgeteilt, dass man eine klare Präferenz für den Posten des CEO hat. Ein offizieller Name wurde zwar nicht genannt, aber den Job dürfte Swissport-Chef Per Utnegaard übernehmen. Ein ruhiger Zeitgenosse aus Skandinavien, der für akribische Arbeit bekannt ist.

Satte Dividende trotz Verlust

Feintuning ist auch genau das, was der zu restrukturierende Bilfinger-Konzern braucht. Vom Baugeschäft hat man sich weitgehend verabschiedet. Die Hessen setzen auf wiederkehrende Erträge aus Dienstleistungen für verschiedene Segmente. Dadurch sinkt das Risiko insgesamt für den Konzern, zudem sind hier stetige Erträge prinzipiell möglich. 2014 aber war ein verlorenes Jahr. Hier wies der Konzern bei einem Output von 7,69 Mrd. Euro ein EBITA von 270 Mio. Euro aus. Das sind etwa ein Drittel weniger als im Vorjahr. Trotz des Nettoverlustes von 71 Mio. Euro schlug der Aufsichtsrat aber eine Dividende von 2 Euro je Anteilschein vor. Am Markt hatte man mit der Hälfte gerechnet. Für die Bilfinger-Aktie ergibt sich daraus eine Ausschüttungsrendite von sehr ordentlichen 3,8%.

Doch das ist nicht alles. Anleger können auf den nachhaltigen Turnaround des Unternehmens setzen. Für die neue Führung gab es dazu eine Steilvorlage: so wagte Bilfinger lediglich einen vorsichtigen Ausblick für dieses Jahr. Die Latte liegt also niedrig. Auf KGV-Ebene kommt der Titel übrigens für 2015 auf rund 15. Das ist nicht teuer. Sollte die Restrukturierung aber Erfolge zeigen, wovon wir derzeit ausgehen, dürfte die Bewertung deutlich niedriger anzusetzen sein.

Analysten noch skeptisch

Am Markt gibt es noch sehr unterschiedliche Meinungen zu den Aussichten der Aktie. HSBC stufte die Aktie am Dienstag auf „Untergewichten“ und gab ein Kursziel von 46 Euro aus. Auf der anderen Seite gibt es aber auch optimistischere Analysten. Frank Laser von Warburg Research rät zum Kauf und sieht ein Kursziel von 65 Euro. So oder so hat der Titel einen starken Nachholbedarf, wenn die eingeleiteten Maßnahmen greifen.

Mittelfristig interessant

Neben den Fundamentaldaten und der Aussicht auf eine Prognoseanhebung im zweiten Halbjahr bietet auch der Chart derzeit Gründe für einen Kauf. Die Aktie hat seit Mitte Dezember bereits die Kehrtwende geschafft und nun die Bodenbildung abgeschlossen. Die nächste Hürde lauert erst bei etwa 59 Euro, wo die 200 Tage-Linie wartet. Auf mittlere Sicht sind deutlich höhere Kursniveaus drin. Man beachte: für dieses und nächstes Jahr wird ein EPS von rund 3,50 Euro je Aktie prognostiziert. 2012 war man fast beim Doppelten. Unseres Erachtens reicht bereits eine Normalisierung des Geschäfts, um Kurse jenseits der 60 Euro-Marke rechtfertigen zu können.

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Bild: Bilfinger
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