Samstag , 17 August 2019
Aktie der Woche: SGL Carbon – Wann beginnt die Zukunft?

Aktie der Woche: SGL Carbon – Wann beginnt die Zukunft?

Während die deutschen Aktienindizes von Rekord zu Rekord laufen, geht es bei SGL Carbon (15,25 Euro; DE0007235301) überhaupt nicht voran. So hat sich die Aktie der Wiesbadener seit Ende 2011 mehr als halbiert, so günstig wie heute war die SGL-Aktie zuletzt vor mehr als zehn Jahren zu haben. Vom Top bei 40 Euro ist der Titel meilenweit entfernt und hängt dem Markt kräftig hinterher, denn der Vergleichsindex SDAX hat sich seit Ende 2011 auf rund 9.000 Punkte verdoppelt.

Hauptumsatzbringer schwächelt

Die Misere bei SGL liegt im Kerngeschäft mit Graphitelektroden zum Schmelzen von Elektrostahl. Die Stahlindustrie kämpft seit Jahren mit hohen Kapazitäten und Preisrückgängen aufgrund der starken chinesischen Konkurrenz. Dementsprechend kommt hier auch SGL kaum auf einen grünen Zweig. 2014 machte dieses Segment mit 588,2 Mio. Euro rund 40% des Konzernumsatzes aus. Immerhin konnte ein grünes EBIT mit +26 Mio. Euro gezeigt werden. Doch das war nur dank Einsparungen und Schließungen von Produktionswerken verantwortlich. Das Management will dementsprechend die eingeleitete Kostensenkungsmaßnahmen auch in diesem Jahr erweitern. Vorstandschef Jürgen Köhler erwartet zwar nun eine Verbesserung, da viele Einmalkosten aus dem Vorjahr wegfallen. Dies werde sich voraussichtlich im zweiten Halbjahr bemerkbar machen. Dennoch hält der Preisdruck an. Immerhin deutet sich im Markt selbst zumindest eine Entspannung an, wenn man den Auguren aus der Stahlbranche glauben will. Und das ist auch das Beste, was man hierzu sagen kann.

Die Zukunft lässt (noch) auf sich warten

SGLs Zukunft liegt woanders. Darauf hofft jedenfalls der Vorstand. Das Unternehmen produziert daneben auch Graphitbauteile, die bei der Herstellung von Lithium-Ionen-Akkus für Elektroautos oder LEDs zum Einsatz kommen. Hier dürfte SGL exzellent positioniert sein. Das Elektroauto dürfte in den nächsten Jahren den Durchbruch auf den Massenmarkt erleben. Dann führt kaum ein Weg an SGL vorbei. Daneben sieht es auch bei Carbonbauteilen für die Autoindustrie gut aus. Dieser Bereich steht vor dem Sprung in die Profitabilität, SGL arbeitet hier zudem in Joint-Ventures erfolgreich mit Herstellern und Zulieferern zusammen.

Gewinne erst ab 2016

In der 2014er-Bilanz macht sich der Restrukturierungskurs deutlich bemerkbar. Der Konzernumsatz sank um 6% auf 1,34 Mrd. Euro. Das EBIT vor Sondereinflüssen lag zwar bei +2,7 Mio. Euro, allerdings betrugen diese Sondereinflüsse stattliche 51,2 Mio. Euro. Der Nettoverlust wurde um rund ein Fünftel auf -247 Mio. Euro reduziert. Rund die Hälfte (119,2 Mio. Euro) stammt allerdings von der Tochter Hitco, die derzeit zum Verkauf steht und dieses Jahr über den Tisch gehen soll. Für 2015 sieht Finanzvorstand Michael Majerus noch nicht die Wende und rechnet mit einem weiteren Verlustjahr. Besser wird es wohl erst 2016. Dann könnte – auch mit Hilfe eines anhaltend schwachen Euro – SGL möglicherweise wieder Gewinne schreiben.

Charttechnisch geht es dagegen langsam voran. Zuletzt wurde der Abwärtstrend erfolgreich gestoppt und ein erster, zaghafter Aufwärtstrend gebildet. Mit einem Börsenwert von 1,4 Mrd. Euro wird SGL weiterhin hoch bewertet. Das ist etwas weniger als der vom Bankhaus Lampe für das kommende Jahr prognostizierte Umsatz. Immerhin rechnet Analyst Marc Gabriel dann mit einem positiven Free Cashflow und einer Rückkehr in die Gewinnzone. Interessant wird SGL, wenn die die Elektroautoproduktion global richtig ins Rollen kommt. Das könnte schon 2017 der Fall sein.

Langer Atem nötig

Für langfristig orientierte Investoren bietet es sich an, die heute niedrigen Kurse zu nutzen. Nach unten dürfte SGL weitegehend abgesichert sein.

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Bild: SGL Carbon
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