Dienstag , 15 Oktober 2019
Aktienmärkte 2016: Noch mehr Volatilität? – Teil 1; DAX, Federal Reserve, Öl, Linde, EZB, …

Aktienmärkte 2016: Noch mehr Volatilität? – Teil 1; DAX, Federal Reserve, Öl, Linde, EZB, …

Aus Ausgabe 151 vom 23.12.2015

Für das neue Jahr gibt es eine sehr einfache Regel: die ersten fünf Tage entscheiden darüber, ob der DAX die nächsten 12 Monate steigt oder fällt. Erstaunlicherweise trifft diese Regel bisher in etwa 70% der Fälle zu. Darauf wetten sollte man allerdings nicht, die Märkte sind nun einmal nicht vorhersehbar. Diesen „Zusammenhang“ würden wir daher ins Reich des Zufalls verweisen. Fakt ist: so feige wie in diesem Jahr waren die Auguren wohl selten. In den vergangenen Wochen haben landauf landab diverse Banken ihre Prognosen für das kommende Jahr ins Fenster gestellt. Die Bandbreite ist im Vergleich zu den Vorjahren sehr niedrig. So sehen die Analysten den deutschen Leitindex am Jahresende 2015 irgendwo zwischen 10.800 und 13.000 Punkten. Insofern scheint Konsens darüber zu bestehen, dass 2016 ein positives Aktienjahr für DAX-Investoren wird.

Die Erklärungen der Volkswirte waren aber recht schmallippig. Kaum einer wollte sich auf die wichtigsten Faktoren festlegen lassen. Vielmehr hieß es unisono, dass die Volatilität weiter hoch bleibe. So sei ein Absturz weit unter die 10.000er und gar 9.000er-Marke durchaus drin, wie beispielsweise Ulrich Stephan von der Deutschen Bank und Ralph Zimmermann vom Bankhaus Lampe befürchten. Das hilft uns direkt nicht wirklich weiter, zeigt aber: die Unsicherheit bei den Profis ist groß.

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Der Rahmen für 2016

Im Angesicht der vielen Probleme der Wirtschafts- und Finanzwelt seien an dieser Stelle nur einige genannt:

  • Konjunktur: die Weltwirtschaft schwächelt wie kaum in den vergangenen drei Jahren. Deutlich wird das am schwachen Wachstum des Welthandels, der zudem durch eine zunehmende Zahl an Sanktionen erschwert wird.
  • Zinsen: Vieles wird davon abhängen, wie die Märkte die steigenden Zinsen in den USA verarbeiten können. Die Federal Reserve will zwar behutsam vorgehen; ob das aber klappt, werden wir sehen. Im Gegensatz dazu steht ja bekanntlich die EZB, die weiter die Märkte fluten wird („quantitative easing“).
  • Energie: der Absturz des Ölpreises mag den hiesigen Autofahrer erfreuen, war aber auch einer der Hauptgründe dafür, dass die Unternehmensgewinne 2015 nicht ganz so stark fielen. Ohne diese Kostenentlastung – manche nennen es ein Konjunkturprogramm für die Weltwirtschaft – würden sich heute deutlich mehr Wirtschaftsräume in einer Rezession befinden. Dieser Effekt dürfte 2016 wegfallen. Zwar gibt es vor allem US-Banken wie Goldman Sachs, die auf dauerhaft niedrige Ölpreise verweisen – Kursziel: 20 US-Dollar (!) – allerdings sollten Sie diese Prognosen mit Vorsicht genießen. Die gleiche Investmentbank hatte im Sommer 2008 ein Kursziel von 200 US-Dollar für den Ölpreis ausgerufen, wenige Wochen später stürzten die Märkte komplett ab. Auf der anderen Seite ist der niedrige Ölpreis ein schwerer Schlag für die ölreichen Länder, die derzeit als Investoren (Nachfrage nach Aktien) und Konsumenten (Autos, Luxusgüter) vermisst werden.
  • US-Dollar: Hinzu kommen die recht hohen Schwankungen bei den Währungskursen, in deren Mittelpunkt zumeist der Greenback steht. Die Einleitung einer Phase von Zinserhöhungen durch die Fed birgt jede Menge Risiken. Es ist wohl ein einmaliges Experiment in der Geschichte. Große Gefahren gehen davon v.a. für die Schwellenländer (Mexiko, Brasilien, Türkei, Ost- und Südasien u.a.) aus, die auf staatlicher Seite oder bei Unternehmen hohe Schulden in US-Dollar aufweisen. Das dürfte die Nachfrage aus den Emerging Markets 2016 weiter deckeln und exportstarke Ökonomien wie die deutsche vor neue Herausforderungen stellen. Jüngste Gewinnwarnungen wie die von Linde könnten nur der Anfang sein. Der Industriegasehersteller sieht in ALLEN Zielmärkten eine zurückgehende Nachfrage.
  • Externe Schocks: hier seien mit Syrien und der Ukraine nur zwei Krisenherde genannt. Insbesondere die Konfrontation zwischen der Türkei (de facto: USA/NATO) und Russland in Nahost birgt jede Menge Sprengkraft, die auch die Wirtschaft treffen dürfte. Einen direkten militärischer Konflikt würden wir zwar ausschließen. Dennoch werden die Karten in dieser rohstoffreichen Region gerade neu gemischt.

Die Revolution läuft

So sieht für uns der Rahmen aus, mit dem Investoren in den kommenden Monaten und vielleicht Jahren rechnen müssen. Allerdings gibt es auch jede Menge Push-Faktoren, die der Börse einen entscheidenden Schub nach vorne geben könnte. Zu nennen ist hier die digitale Revolution, die derzeit vor allem im Handel, bei Medienunternehmen, Autos und Finanzinstituten (Fintechs!) für viel Unruhe sorgen. Hier stehen wir teilweise wohl erst am Anfang einer nachhaltige Entwicklung, die viele Chancen birgt.

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Bild: pixabay - condesign
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