Freitag , 12 August 2022

Aktie der Woche: Viscom – Grundsolide, aber kein Schnäppchen!

Inspektionssysteme für die Autoindustrie, für Luft– und Raumfahrtunternehmen oder bei der Fertigung von Industrieelektronik – das klingt nicht gerade sexy in den Ohren von Börsianern. Doch Viscom hat es in sich. Zum einen kann jeder Produktionsfehler tödlich, aber in jedem Fall teuer werden. Dementsprechend sind die Systeme des 1984 als Ingenieurbüro gegründeten Unternehmens weltweit gefragt. Genauso spannend ging es aber auch auf dem Kurszettel der im General Standard notierten Aktie zu. Vom Tief in der Finanzkrise konnte sich der Titel in der Spitze versiebenfachen. Den letzten Schub gab es durch eine Sonderdividende in Höhe von 1,28 Euro je Aktie (Gesamtausschüttung: 1,70 Euro) im Frühjahr dieses Jahres. Danach stürzte der Kurs um etwa die Hälfte ab. Viele auf dem Parkett fragten sich, ob da nicht ein Verkäufer am Werk ist. Inzwischen aber hat sich der Titel wieder berappelt und einen soliden Boden ausgebildet. Das macht ihn nicht nur charttechnisch interessant.

Euro als zweiter Faktor

Hilfreich waren dabei die grundsoliden Zahlen für die ersten neun Monate. Die Einnahmen legten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 16,6% auf 41,8 Mio. Euro zu. Das EBIT wurde um knapp 15% auf 5,14 Mio. Euro verbessert. Die EBIT-Marge bewegt sich mit 12,3% auf dem hohen Vorjahresniveau. Unterm Strich verlieb ein Nettogewinn von 3,95 Mio. Euro (+7%). Mit einem Ergebnis je Aktie von 0,44 Euro befindet sich Viscom auf Kurs. Das Management hat bei Bekanntgabe des Quartalsberichts die Guidance bestätigt. Der Umsatz soll sich 2014 zwischen 55 Mio. und 60 Mio. Euro bewegen. Die EBIT-Marge dürfte 13% bis 15% erreichen. Beide Ziele klingen angesichts der bisherigen Entwicklung machbar.

Eine vor Kraft strotzende Bilanz

Noch etwas besser als die Gewinn- und Verlustrechnung ließt sich die Bilanz des Unternehmens mit Sitz in Hannover. So weist Viscom eine mehr als solide Eigenkapitalquote von 83,4% auf. Gegenüber dem Jahresanfang hat sich diese Kennzahl nur aufgrund der Sonderausschüttung verschlechtert. Und trotz dessen befinden sich noch immer 11,7 Mio. Euro an Zahlungsmitteln per 30. September in der Kasse. Das macht pro Aktie knapp 1,30 Euro.  Positiv werten wir zudem, dass 74,05% der Anteile bei Altgesellschaftern liegen, also den beiden Gründern und Vorstandsmitgliedern Martin Heuser und Volker Pape.

Branchentrend intakt

Die gute Unternehmensentwicklung rührt vor allem vom Bedarf nach automatisierten Prüfsystemen her. Das senkt die Kosten der Kunden. Viscom macht das meiste Geschäft in Europa (66% Umsatzanteil), und zwar bei Automobilzulieferer. Diese planen zum Teil einen weiteren Ausbau des Kapazitäten, wovon Viscom 2015 profitieren könnte. Hinzu kommt, dass das Geschäft in Asien ausbaufähig ist. Hier gab es zuletzt einen Großauftrag, der allerdings auf die Marge drückte. In die Karten des Unternehmens spielt der schwache Euro. Hält der aktuelle Abwärtstrend  der Währung an, sollte sich das auch bei Viscom positiv bemerkbar machen und mit Blick auf den Preiswettbewerb Vorteile bringen. In Asien konnte Viscom seine Umsätze in den ersten neun Monaten um 17% steigern. Branchenbeobachter rechnen damit, dass die Nachfrage insgesamt leicht anziehen wird.

Im November hat die Viscom-Aktie aus dem Tief heraus bereits um rund ein Fünftel zulegen können und befindet sich damit auch über dem Zwischenhoch vom September. Die Bewertung bietet ein gemischtes Bild. Wir sehen das 2015er KGV im günstigsten Fall bei 17/18. Die Papiere sind also kein Schnäppchen mehr, die hohe Bewertung spiegelt vielmehr die Solidität und das Wachstum des Unternehmens wider. Auf der anderen Seite sieht der Markt derzeit eine Dividendenrendite von rund 4%. Angesichts der niedrigen Zinsen ist das ein Plus. Zudem würden wir mit Blick auf die Liquiditätslage eine erneute Sonderdividende nicht ausschließen. Dennoch drohen derzeit Gewinnmitnahmen.

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Bild: Viscom

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