Sonntag , 27 Oktober 2019
Berliner Synchron: Wieder im Geschäft!

Berliner Synchron: Wieder im Geschäft!

Seit einigen Jahren schon fristet die Aktie der Berliner Synchron (1,30 Euro; DE000A1YDEE4) ein Schattendasein an der Börse. Der führende deutsche Spezialist für Filmsynchronisationen war nach dem Ausbruch der Finanzkrise in erhebliche Turbulenzen geraten. Der Aktienkurs gab um bis zu 90% nach. Auch operativ lief es mehr schlecht als recht. Seit dem Geschäftsjahr 2006/07 wurden den Anteilseignern durchweg Verluste präsentiert. „Im Geschäftsjahr 2013 wurden Kundenbeziehungen auf eine harte Probe gestellt“, geben die Vorstände Wolfram Lüdecke und Marcus Dröscher im Unternehmensbericht unumwunden zu. 2013 war ohne Zweifel ein Jahr der großen Umbrüche. Die traditionsreiche Betriebsimmobilie wurde verkauft, um alle Bankdarlehen zu tilgen und auch um die aufgelaufenen Forderungen von Cuttern, Autoren, Übersetzern, Tonmeistern oder Regisseuren zu bedienen. Die schlechten Zeiten scheinen nun aber vorbei zu sein. Die Berliner Synchron befindet sich wieder auf dem aufsteigenden Ast.

Restrukturierung trägt Früchte

Und das zeigen auch die Zahlen zum ersten Halbjahr. Die Umsatzeinnahmen konnten zwar nur um 4% auf 3,56 Mio. gesteigert werden. Die großen Fortschritte wurden aber auf der Ergebnisseite erreicht. Gab es im entsprechenden Vorjahreszeitraum noch ein Minus von 56.126,59 Euro, steht zum 30. Juni ein Plus von 145.644,68 Euro zu Buche. Das klingt noch nicht nach viel, ist aber möglicherweise die endgültige Wende zum Guten. Die Restrukturierung aus dem Vorjahr scheint Früchte zu tragen.

Signal an die Branche

Doch effizientere Abläufe und die Reduzierung der Kosten sind nicht der Weg, um die Gesellschaft auch langfristig zum Erfolg zu führen. Der Preisdruck in der Branche war in den letzten Jahren erheblich. Dazu bietet sich ein fragmentierter Markt mit vielen kleinen und mittelgroßen Anbietern. Das hat den Berlinern mächtig zu schaffen gemacht. Mit der Rückkehr in die Gewinnzone und dem Abbau der Schulden könnte das Unternehmen nun einen aktiven Part einnehmen. Ob das wirklich der Fall sein wird, dazu gab es auf der Hauptversammlung vor wenigen Tagen kein Wort vom Vorstand. Allerdings soll die Konkurrenz aufmerksam registriert haben, dass mit Manfred Teubner der langjährige Unterhaltungschef des ZDF in den Aufsichtsrat der Gesellschaft eingezogen ist.

Effekte durch Ausgliederung

Auf der jährlichen Zusammenkunft war aber auch die Ausgliederung des operativen Geschäfts ein Thema. Sämtliche Aktivitäten werden ausgegliedert, so dass künftig die Berliner Synchron als Holding über dem Ganzen fungiert. Dieser Schritt dürfte mit dem Darlehen des Großaktionärs Lüdecke zu tun haben. Denn der hat einen Nachbesserungsanspruch, falls die Gesellschaft 250.000 Euro pro Jahr verdient. Dies könnte durch die Ausgliederung umgangen werden. Zudem sollen aktive latente Steuern zum nächsten Jahresabschluss gehoben werden, wie das Unternehmen mitteilte. Das könnte einen Effekt in einer Größenordnung bis zu einem „mittleren einstelligen Millionenbetrag“ haben. Wir rechnen mit rund 1,2 Mio. Euro. Im besten Fall erreicht das Ergebnis aus dem operativen Geschäft rund 300.000 Euro. In Kombination könnte der Gesamtgewinn auf 1,5 Mio. steigen.

Attraktive Bewertung

Berücksichtigt man nur die operativen Ergebnisse, dann kommen wir auf ein attraktives Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 8 – ohne außerordentliche Effekte. Der Vorstand selbst hatte die Prognose auf 250.000 Euro oder 0,15 Euro je Aktie fürs Gesamtjahr 2014 angehoben. Der Börsenwert der Berliner Synchron ist mit 2,4 Mio. Euro überschaubar. Wer hier einsteigen will, der sollte einen langen Atem, und eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen. Micro-Caps sind in der Regel nichts fürs Zocken.

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