Sonntag , 27 Oktober 2019
Aktie der Woche: Twintec – Bringt China die Wende?

Aktie der Woche: Twintec – Bringt China die Wende?

Im März 2007 kamen die Aktien von Twintec für 11 Euro an den Markt. Der Börsengang des Spezialisten für Rußpartikelfilter zur Nach- und Aufrüstung von Pkw war ein voller Erfolg. Die Erstnotiz lag mit 14,10 Euro deutlich über dem Ausgabepreis, es schienen goldene Zeiten für das Unternehmen aus Königswinter sowie seine Aktionäre anzubrechen. Doch ganz so toll lief es dann doch nicht. Nach einem Kurshoch bei 24 Euro kam mit der Finanzkrise der Absturz. Operativ blieben die Absatzzahlen hinter den Erwartungen zurück, zudem war die alleinige Fokussierung auf den deutschen Markt ein Strategiefehler.

Neuer Großaktionär, neue Hoffnung

Das alles will Twintec nun hinter sich lassen. Nachdem man de-facto kurz vor dem Aus stand, hat das Familienunternehmen Baumot das Ruder übernommen. Das operative Geschäft ist nun eine 100%ige Tochter von Twintec. Mit den neuen Eigentümern und Vorstandschef Marcus Hausser an der Spitze sollen nun wieder bessere Zeiten anbrechen. Während einst Deutschland und das Nachrüstgeschäft angegangen wurden, wurde nun ein umfassender Wandel eingeleitet.

Mehr Internationalität

Zum einen soll das Unternehmen internationaler werden. So meldete Twintec im Juni einen Großauftrag aus China. So erhielt man als erster westlicher Hersteller die Zulassung für die Nachrüstung von On-Road-Fahrzeugen mit Russpartikelfiltersystemen. Konkret handelt es sich um Stadtbusse, die Order hat ein Volumen „im niedrigen siebenstelligen Bereich“. Doch da könnte mehr dahinter stecken, dient dieser Auftrag doch vor allem als Türöffner, wie Vorstand Roger Kavena im Gespräch mit dem Investor Magazin sagte. Die Tranche an Bussen in der Provinz Shandong stellt nur einen Bruchteil der Fahrzeuge da. Wenn die Umsetzung klappt, dürften weitere Order in dieser Provinz folgen und zudem als Referenz für andere Busbetreiber in der Volksrepublik dienen. Eine Zulassung hat Twintec ebenfalls für Kolumbien erhalten, in den USA wartet man dagegen noch auf den Marktstart. Dort soll es bis zum Jahresende losgehen.

Harter Wettbewerb

Twintec hat als vergleichsweise kleiner Player am Markt einen harten Wettbewerb zu bestehen. Auf der anderen Seite wurde die Basis mit Baumot nachhaltig gestärkt. Das Loslösen vom Nachrüstgeschäft hin zur Erstausstattung als OEM für Fahrzeughersteller ist der richtige Weg, dürfte aber noch steinig sein. Hier schließt man eine Übernahme mit einem anderen OEM-Dienstleister nicht aus.

Ziel: 100 Mio. Euro Umsatz

Im vergangenen Jahr liefen 29,3 Mio. Euro (+8,5%) durch die Bücher von Twintec. Allerdings fuhr die Gesellschaft noch ein dickes Minus von 7,8 Mio. Euro ein, was aber zum Großteil auf einen nicht cashwirksamen Einmaleffekt zurückzuführen ist. Schwarze Zahlen dürfte es auf EBIT-Basis erst im kommenden Jahr geben. Richtige Gewinne winken dann im Jahr 2017. Umsatzseitig will man 2018 rund 100 Mio. Euro an Einnahmen zeigen, wie  CEO Hausser im Oktober in Frankfurt ankündigte.

Sehr langfristige Perspektive

Diese Perspektive ist natürlich sehr langfristig. Auf der anderen Seite lohnt sich ein Blick auf die heutige Bewertung. Twintec bringt es derzeit auf einen Börsenwert von lediglich 39 Mio. Euro. Die Wachstumsperspektive ist vorhanden, die Schätzungen der Analysten sollten realistisch sein. Dadurch ist auch ein (positives) Überraschungspotenzial vorhanden. Die Aktie selbst hat in den vergangenen Monaten eine gute Unterstützung bei einem Euro gebildet. Hier wurde auch zuletzt im Juni eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Alles in allem ist Twintec derzeit eine runde Turnaroundgeschichte, für die Investoren einen langen Atem mitbringen sollten.

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Bild: pixabay / Paulina101
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