Dienstag , 31 Januar 2023

Friwo: Zweirad-Booster aus Indien sorgt für viel Fantasie bei der Aktie!

Die Aktie von Friwo hat in diesem Jahr kräftig zugelegt und sich die Aufmerksamkeit vieler Investoren verdient. Der Grund dafür ist die neue Strategie, die sich in den kommenden Jahren zu einem Booster für Umsätze und Gewinne entwickeln könnte. Dazu kommt viel Fantasie um die Aktionärsstruktur.

Friwo: Auf den ersten Blick nicht spannend!

Ladeteile für Rasierer klingt nicht gerade nach einem spannenden Geschäftsmodell. Interessanter wird es schon, wenn ein Unternehmen auch mit Netzteilen in der Medizintechnik oder bei Staubsaugerroboter unterwegs ist. Schließlich kommt es im ersten Fall auf Sicherheit und Zuverlässigkeit an; und die Staubsaugerroboter sind in immer mehr Haushalten unterwegs – sie sind nun einmal praktisch! Das allein erklärt aber sicher nicht, warum die Aktie von Friwo (43,80 Euro; DE0006201106) zu den Outperformern auf dem deutschen Kurszettel 2022 zählt. Während der Markt zweistelllig im Minus notiert, konnten die Friwo-Papiere um mehr als 40 Prozent seit Jahresanfang zulegen.

Friwo: Strategischwenk bringt Fantasie in Aktie

Der Grund dafür ist ein Strategiewechsel, der bereits 2019 eingeläutet wurde und durch die Pandemie verzögert umgesetzt werden konnte. Unter Führung von Vorstandschef Rolf Schwirz hat man sich eine E-Mobility-Strategie überlegt und setzt nun das Firmen-Know how bei Elektro-Zweirädern, sprich Motorrädern, ein. Damit kann Friwo zu einer reinrassigen E-Mobility-Story in Deutschland werden. Das erste Zielland für die große Expansion ist Indien, wo man ganz offiziell ein Joint-venture mit der Uno Minda-Gruppe gestartet hat. Derzeit baut man die erste Produktionsstätte. Von Friwo kommen die Antriebssysteme für die elektrisch bewegten Zwei- und Dreiräder. Der indische Markt ist riesig. Für 2027 wird mit dem Absatz von rund 30 Mio. Einheiten gerechnet. Uno Minda und Friwo streben einen Marktanteil von rund 30 Prozent an. Als Umsatz pro Motorrad werden rund 500 US-Dollar unterstellt.

Am Joint Venture hält Friwo 49,9 Prozent. Neben dem Ergebnisbeitrag erhalten die Münsterländer zusätzlich 4 Prozent vom Umsatz als Lizenzeinnahme. Hilfreich ist sicherlich, dass auch Indien dem Verbrenner-Motor bei Zweirädern weitgehend abschwören will. Aktuell macht Friwo rund ein Viertel seines Umsatzes mit der E-Mobilität. Laut der Präsentation des Unternehmens auf dem Eigenkapitalforum in Frankfurt diese Woche, soll der Anteil auf rund 50 Prozent im Jahr 2026 steigen. Das EBIT-Ziel liegt bei mehr als 10 Prozent. Davon ist Friwo allerdings noch ein gutes Stück entfernt. In den ersten neun Monaten dieses Jahres kam Friwo auf eine EBIT-Marge von 2,2 Prozent bei einem Umsatz von 131 Mio. Euro. Je Aktie wurden 0,12 Euro verdient. Die Bilanz selbst sieht aber grundsolide aus. Die Eigenkapitalquote beträgt 23,8 Prozent.

Friwo: Was plant Großaktionär VTC?

Nun gibt es bei Friwo aber noch eine zweite Fantasie. Der echt Freefloat in der Aktie beträgt nämlich nur rund 5 Prozent. Denn der dominierende Großaktionär ist die Beteiligungsgesellschaft VTC aus München. Die Bayern halten 81,29 Prozent der Anteile an dem Unternehmen aus Ostbevern. Der geringe Freefloat verhindert, dass Friwo trotz einer Marktkapitalisierung von rund 370 Mio. Euro in einem relevanten Index Mitglied ist. Das und der geringe Streubesitz dürften verhindern, dass mehr institutionelle Investoren bei Friwo einsteigen. Möglich wäre, dass VTC ein Delisting vornimmt und die Expansion des Unternehmens außerhalb der Börse begleitet. Oder aber, dass sich nichts ändert und Friwo ein Spezialwert beibt. Besser wäre für das Unternehmen aber eine Vergrößerung des Freefloats. VTC könnte beispielsweise einen Teil seiner Anteile umplatzieren.

Für die Entwicklung des Unternehmens wäre es aber sicherlich am besten, wenn durch eine Kapitalerhöhung nicht nur der Streubesitz steigt, sondern auch frisches Kapital zufließt, dass in das künftige Wachstum investiert werden kann. Denn dann könnte Friwo seine Strategie schneller auf weitere Märkte übertragen. Süd- und Südostasien-Erfahrung hat das Unternehmen ohnehin. Und hier warten große Zweirad-Märkte auf den Mittelständler. Nicht zuletzt hat Friwo auch ein Büro in den USA eröffnet. Friwo scheint den richtigen Weg eingeschlagen zu haben.

Fazit: Friwo hat sich als deutsches Unternehmen offensichtlich geschickt im E-Mobility-Markt positioniert. Mit Indien und dem Partner Uno Minda ist man gut aufgestellt, um hier stark zu wachsen. Das ist angesichts der hohen Bewertung auch nötig. Die Börse hat bereits einen Teil der Wachstumsfantasie vorweggenommen. Die Ernte aber dürfte erst ab dem kommendem Jahr sukzessive eingefahren werden. Hinzu kommt das Marktumfeld: Nach knapp zwei Monaten Bärenmarktrallye in Deutschland und anderswo und dem steilen Anstieg der Friwo-Aktie im Spätsommer, ist erst einmal Luft holen angesagt. Uns würde es nicht wundern, wenn auch bei Friwo erst einmal Gewinne vom Tisch genommen werden. Insofern sollten interessierte Investoren bei Friwo erst einmal eine Konsolidierung abwarten. Kursniveaus zwischen 35 und 37 Euro erscheinen hier möglich und dann durchaus attraktiv.

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Bilder/Graphiken: Friwo

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