Montag , 17 August 2026

HMS Bergbau: Kohlegeschäft wird zum Wachstumsturbo!

Die HMS Bergbau befindet sich im Wandel: vom reinen Rohstoffhändler zum vollintegrierten Konzern. Das Berliner Unternehmen fährt gerade zwei Kohleminen im südlichen Afrika hoch. Analysten sehen das Potenzial für ein Re-Rating der Aktie.

Schaut man auf die Kurszettel der Deutschen Börsen stellt man schnell fest, dass hierzulande Rohstoffunternehmen ein Nischendasein führen. Löbliche Ausnahme ist die Deutsche Rohstoff (ISIN: DE000A0XYG76), die in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte operative und kapitalmarktseitige Entwicklung hingelegt hat. Innerhalb eines Jahres legte die Deutsche Rohstoff um stolze 120 % zu. Getrieben von der Ölpreisentwicklung, starken Produktionsergebnissen und einer deutlichen Erweiterung des Bohrprogramms hat das Unternehmen seine Prognosen zuletzt mehrfach nach oben angepasst. Doch nicht nur der Ölpreis und die gestiegene Öl- und Gasförderung trieben den Kurs. Hinzu kam eine echte Sondersituation: Die über Jahre gehaltene Beteiligung an Almonty Industries (ISIN: CA0203987072), der größte Wolframförderer außerhalb Chinas, hat sich dieses Jahr sichtbar ausgezahlt und zuletzt einen erheblichen Ergebnisbeitrag geliefert.

Nur auf den ersten Blick langweilig

Genau diese Art von Neubewertung könnte perspektivisch auch bei HMS Bergbau AG (ISIN: DE0006061104) eine Rolle spielen – nur dass der Markt hier bislang vor allem auf das solide, aber etwas langweilige weltweite Handelsgeschäft mit Kohle schaut, obwohl sich das Unternehmen gerade strukturell deutlich weiterentwickelt. Das klassische seegestützte Handelsgeschäft mit Kohle und Flüssigbrennstoffen von HMS, das sich vornehmlich in Asien abspielt, wächst beachtlich. Mit diesem „Basisgeschäft“ ist die HMS schon sehr profitabel. 2025 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 1,22 Mrd. EUR, der 2026 auf 2 Mrd. EUR steigen soll. Doch der eigentliche strategische Hebel liegt inzwischen tiefer in der Wertschöpfungskette: HMS entwickelt sich vom reinen Rohstoffhändler zu einem vollintegrierten Rohstoffhaus mit eigener Förderung und Produktion.

Die Werkbank wird verlängert

In Botswana und Südafrika hat HMS mittlerweile in eigenen Minen die Kohleförderung und -verarbeitung aufgenommen! In Botswana verfügt die Gesellschaft mit dem Minenprojekt Maatla Resources über eine Kohlemine für metallurgische Kohle samt integrierter Aufbereitungsanlage. Die Produktion ist angelaufen, und im ersten Ausbauschritt sollen jährlich rund 1,2 Mio. Tonnen hochwertiger Graphitkohle für industrielle Anwendungen gefördert und vor Ort verarbeitet werden. Mittelfristig ist sogar eine Ausweitung auf bis zu 3,6 Mio. Tonnen pro Jahr geplant. Entscheidend ist dabei nicht nur die Förderung selbst, sondern auch die Vermarktung: HMS hat sich die exklusiven Vermarktungsrechte an der gesamten Produktion gesichert.

Parallel dazu wurde auch die Kohlemine in Südafrika in Produktion gebracht. Beide Minen sollen im zweiten Halbjahr die Vollauslastung erreichen. Nach Aussagen der Analysten war der Juli der erste Monat, in dem beide Minen erstmals Kohle verkauft haben. Genau hier beginnt die eigentliche Investmentstory an Schärfe zu gewinnen: Bislang ist das Minengeschäft noch nicht annähernd so umsatzstark wie das etablierte Handelsgeschäft. Doch Umsatz ist hier nicht die entscheidende Kenngröße. Denn das Minengeschäft ist deutlich margenstärker. Liegt die Rohertragsmarge im volumenlastigen Handel im niedrigen einstelligen Prozentbereich, sieht es bei der Förderung und Verarbeitung von Kohle ganz anders aus. Hier ist mit einer deutlich zweistelligen Rohertragsmarge zu rechnen.

Das Researchhaus Montega erwartet für 2026 aus beiden Minen zusammen zunächst einen EBITDA-Beitrag von rund 5 bis 6 Mio. EUR. Laut HMS soll das um Sondereffekte (die Aktivierung der beiden Minen) bereinigte EBITDA von 23,1 Mio. EUR in 2025 auf 35 Mio. EUR in diesem Geschäftsjahr ansteigen. Dieser Trend kann anhalten, wenn sich der Ergebnisbeitrag mit zunehmender Auslastung ab 2027 nochmals deutlich erhöht. Das spricht dafür, dass sich der operative Effekt mit zunehmendem Ramp-up immer klarer in den Zahlen zeigen dürfte – wahrscheinlich noch nicht in voller Stärke zum Halbjahr 2026, aber sehr viel deutlicher im weiteren Jahresverlauf und vor allem im kommenden Jahresabschluss.

Hinzu kommt, dass HMS die eigene Handelsplattform nicht nur entlang der Kohle ausbaut. Die Gesellschaft hat außerdem eine exklusive Abnahmevereinbarung für Chromerz aus der südafrikanischen Langpan-Mine abgeschlossen. Damit verbreitert HMS die Produktpalette weiter und stärkt ihre Stellung als diversifiziertes Rohstoffhaus. Die Richtung ist klar: Aus einem reinen Intermediär wird Schritt für Schritt ein Anbieter, der Förderung, Aufbereitung, Vermarktung und Handel zusammenführt.

Parallelen zur Deutschen Rohstoff AG

Gerade darin liegt womöglich die Parallele zur Deutschen Rohstoff. Auch dort hat der Kapitalmarkt lange vor allem das bestehende operative Geschäft bewertet, ehe zusätzliche Werttreiber sichtbarer wurden. Bei HMS dürften viele Investoren noch immer in erster Linie den Rohstoffhandel sehen – und übersehen dabei, dass sich unter der Oberfläche ein deutlich margenträchtigeres Produktionsgeschäft aufbaut. Sollte die Förderung in Botswana und Südafrika wie geplant in die Vollauslastung laufen, könnte sich diese neue Qualität des Geschäftsmodells relativ schnell in den Kennzahlen niederschlagen.

Weitere Minenprojekte im Bestand

Und es gibt noch weitere Optionen, die am Markt und in der Unternehmensbewertung bislang kaum eine Rolle spielen. Ein weiteres Minenprojekt in Kasachstan für Lithium und Kobalt befindet sich im Beteiligungsportfolio genauso wie eine Beteiligung an einem kanadischen börsennotierten Explorer, der sich auf Gold, Uran und Lithium spezialisiert hat und auch im Norden der USA aktiv ist. Diese langfristig angelegten Rohstoff-Assets, an denen HMS jeweils über 50 % hält, sind bisher nicht eingepreist, beziehungsweise spielen in der Bilanz keine Rolle. Auch bei der Deutschen Rohstoff war die Almonty-Beteiligung über Jahre eher ein Nebenschauplatz – bis sie sich materiell auszahlte.

Analysten sehen 100 % Potenzial

Bei HMS kommt viel zusammen: Ein solides Basisgeschäft, das weiter wächst und ausgebaut wird; das Wachstumssegment der aktiven Kohleminen, das sein Ertragspotenzial noch nicht gezeigt hat und die Langfristperspektive durch die Beteiligungen an Minen in Kasachstan und Nordamerika. Aktuell bewegen sich die Kurse um die 40,- EUR. Die Analysten von Montega und mwb fairtrade trauen der Aktie wesentlich mehr zu. Ihre Kurzziele liegen rund 100 % über dem aktuellen Niveau. Wer HMS heute nur als schnell wachsenden Rohstoffhändler betrachtet, greift womöglich zu kurz. Hier entwickelt sich gerade aus einem Rohstoffhändler ein vollintegriertes Rohstoffunternehmen mit eigener Produktion. Und genau solche Übergangsphasen werden an der Börse oft erst mit Verzögerung vollständig eingepreist.

 

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Graphiken/Tabellen/Bilder: Das Investor Magazin, Gemini

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