Donnerstag , 3 April 2025

Antimon: Das Metall, nach dem sich die Großmächte sehnen!

Der Wettbewerb um kritische Rohstoffe tobt schon viele Jahre. Dabei sind die EU und die USA ins Hintertreffen geraten. Das gilt auch bei Antimon, dass mit dem neuen Rüstungsboom plötzlich in den Fokus rückt. Dabei hat selbst China, der größte Produzent, inzwischen Probleme, genug Material zu beschaffen. Wir blicken in einen der spannendsten Märkte im Rohstoffsektor.

Antimon: alt und bekannt!

Es ist ein silbergraues, sprödes, giftiges, seltenes Halbmetall, das dem Arsen ähnelt. Antimon wurde bereits im antiken Ägypten, bei den Römern oder von arabischen Gelehrten im Frühmittelalter als Bestandteil von Salben und Heilpflastern benutzt. Später wurde daraus ein Abführmittel und es war im Zündkopf des ersten echten Streichholzes im frühen 19. Jahrhundert enthalten. Inzwischen aber ist aus Antimon ein Politikum geworden und es steht auf der Liste der kritischen Metalle, sowohl von den USA als auch der Europäischen Union.

Das Wettrüsten hat begonnen

Und das hat seinen Grund: Antimon wird in der Munitionsherstellung vor allem als Legierungselement in Bleigeschossen verwendet, da es die Härte, Festigkeit und Formstabilität verbessert. Reines Blei ist von Natur aus weich und verformt sich schnell beim Aufprall. Durch die Zugabe von 2 bis 5 Prozent Antimon wird das Blei jedoch deutlich härter und widerstandsfähiger, was die Präzision und Durchschlagskraft der Munition erhöht. Darüber hinaus findet Antimon in weiteren militärischen Munitionsarten Anwendung, beispielsweise in elektrischen Zündsystemen, wo es als Bestandteil von Legierungen oder Verbindungen die Leitfähigkeit verbessert. Die weltweite Produktion lag 2024 bei etwa 100.000 Tonnen. Doch das Wettrüsten hat erst begonnen, wie die jüngsten Meldungen deutlich machen:

  • Die EU will einen 800 Mrd. Euro schweren Verteidigungsfonds aufbauen.
  • Deutschland hat ein Fiskalpaket im Volumen von 1 Mrd. Euro für Verteidigung und Infrastruktur beschlossen
  • China will seine Verteidigungsausgaben 2025 um 72 Prozent erhöhen
  • Russland will dieses Jahr das Verteidigungsbudget auf 6,3% des BIP steigern
  • Großbritannien will sein Militärbudget auf 2,5% des BIP bis 2027 anheben

Nicht zu vergessen: Die USA geben mit Abstand am meisten für das Militär aus und verfügen derzeit über keine einzige Antimon-Mine. Im Zeitraum 2020 bis 2023 bezogen die Vereinigten Staaten rund 23 Prozent des importierten Antimons aus China. Geht man die Liste des US Geological Survey (USGS) nach den Produktionsländern durch, findet sich kein einziges westliches Land, nicht einmal Kanada oder Australien. Dementsprechend ist mit dem gestarteten Rüstungsboom und dem von den USA ausgelösten Handelskrieg Antimon zu einem Spielball der Großmächte geworden. Nachdem die Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr die Technologieexporte nach China weiter beschränkten – insbesondere die neuesten KI-Chips – schlug China zurück und verbot Anfang Dezember den Export von Gallium, Germanium und Antimon in die USA. Das Kritische: China steht heute für etwa 60 Prozent der weltweiten Produktion und kontrolliert innerhalb seiner Landesgrenzen etwa ein Drittel der bekannten Reserven (siehe Tabelle). Laut USGS hatte sich der Preis für Antimon bereits in den Monaten vor dem Exportverbot der Volksrepublik in den USA von 8,91 US-Dollar je Pfund auf 17,50 US-Dollar nahezu verdoppelt, danach ist er durch die Decke gegangen.

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China dominiert den Weltmarkt für Antimon und hat die Ausfuhr inzwischen verboten. Die USA aber auch andere Länder suchen nach alternativen Lieferanten. Quelle: US Geoligical Survey.

Nun wird Antimon nicht nur im militärischen Bereich benötigt, sondern kommt auch bei Metalllegierungen (Röhren, Autobatterien, Kabel, Lagerwerkstoffe), bei Flammschutzmitteln, in der Elektronik- und Halbleiterindustrie (Mikrochips, Dioden, Transistoren), bei der Glas- und Keramikherstellung sowie in der Medizin zum Einsatz. Aufgrund dieser vielfältigen Anwendungsbereiche vollzieht sich auf dem Weltmarkt für Antimon eine bemerkenswerte Veränderung. China setzt es nicht nur als Mittel im Handelskrieg ein, sondern befindet sich in einer Situation, in der es das Metall selbst importieren muss. Diese Entwicklung deutet auf eine erhebliche Angebotsverknappung innerhalb der Volksrepublik hin, wie Branchenbeobachter schon 2024 vermuteten. Infolgedessen sind die die chinesischen Inlandspreise sowohl für Antimonmetall als auch für Antimontrioxid angestiegen. Langfristig scheint der Preis ohnehin nur eine Richtung zu kennen, wie diese Graphik verdeutlicht.

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Auch in China wachsen die Bäume nicht in den Himmel

Einer der Hauptgründe für diesen Preisanstieg ist der Wettbewerb um Rohstoffe. Die chinesischen Hersteller, die sich früher weitgehend selbst versorgten, sind nun gezwungen, Antimon von den internationalen Märkten zu beziehen. Dadurch steigt die weltweite Nachfrage, da chinesische Käufer mit internationalen Verbrauchern um das begrenzte Angebot konkurrieren. In der Zwischenzeit orientieren sich die Antimonproduzenten außerhalb Chinas zunehmend an den europäischen Preisen, wo der Wert des Endprodukts hoch ist. Gleichzeitig bedeutet die eingeschränkte Exportpolitik Chinas, dass die lokalen Produzenten die Inlandspreise anheben müssen, um das globale Preisniveau zu erreichen oder zu übertreffen, damit sie auf dem Markt wettbewerbsfähig bleiben. Dieser doppelte Effekt verknappt das Angebot weiter und treibt die internen chinesischen Kosten für Metall und Trioxid in die Höhe.

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Binnen eines Jahres hat sich der Preis für Antimon vervielfacht.

Preisrückgänge werden nicht erwartet

In Anbetracht dieser Faktoren erscheint jede Erwartung eines Preisrückgangs derzeit unrealistisch, heißt es bei Experten. Zumal China nicht nur mehr Antimon benötigt, sondern auch ein Minenproblem hat. Die Produktion dort ist nämlich von 100.000 Tonnen im Jahr 2000 auf 60.000 Tonnen bis 2024 gesunken. Innerhalb der Branche werden leer gelaufene Minen, verschärfte Umweltvorschriften und sinkende Erzgrade hierfür verantwortlich gemacht. Die Kombination aus begrenztem und teils sinkendem Angebot, verschärftem globalem Wettbewerb und opportunistischem Preisverhalten der chinesischen Produzenten schafft ein Umfeld, in dem die Preise eher auf einem hohen Niveau bleiben oder sogar weiter steigen könnten.

Nur wenige neue Antimon-Betriebe in Sicht

Solange sich die Dynamik auf der Angebotsseite nicht wesentlich ändert, z. B. durch die Inbetriebnahme einer größeren neuen Antimonproduktion oder einen plötzlichen Nachfragerückgang, wird der Markt auch weiterhin eine stabile Preisentwicklung aufweisen. Immerhin könnten die USA ab 2028 etwas Entlastung erfahren. Das kanadische Unternehmen Perpetua Resources entwickelt nämlich in Idaho das Stipnite-Projekt. Eigentlich geht es hier um Gold, allerdings gibt es Antimon als Beiprodukt. In den ersten fünf Jahren der Produktion will Perpetua damit etwa ein Drittel des jährlichen US-Bedarfs an Antimon decken. Wie wichtig diese Mine ist, zeigt das Engagement des US Verteidigungsministeriums. Das hat nicht nur bei der Finanzierung des Minenbaus die richtigen Kontakte vermittelt, sondern bezahlt auch bis zum Beginn der Produktion die operativen Kosten des Unternehmens. Davon träumt wohl jeder CEO. Die Perpetua-Aktie hatten wir Ihnen schon im März 2024 vorgestellt (siehe hier). Seither hat sich der Kurs in etwa verdreifacht. 2023 konnte zudem Polyus, Russlands größter Goldproduzent, seine Antimon-Förderung erhöhen und dem Angebotsdefizit am Weltmarkt leicht entgegenwirken. Weitere, neue Vorkommen sind aber nicht in Sicht, zudem gibt es eine Unbekannte im Markt. Im Iran sollen etwa 10 Prozent der globalen Reserven liegen, was nicht überprüfbar ist. Außerdem gab es jüngst Berichte, wonach dort ein weiteres großes Vorkommen entdeckt wurde. Aber auch hier gibt es wenig öffentlich bekannte Informationen.

Fazit: Klar scheint, dass der derzeitige Trend bei den Antimonpreisen ein angespanntes Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage widerspiegelt, wobei der Importbedarf Chinas und gleichzeitig der schwelende Handelskrieg und das Hochfahren der Militärbudgets im Westen eine anhaltende Knappheit verdeutlichen. Der Markt dürfte keine nennenswerte Preisabschwächung erleben, heißt es bei Branchenvertretern unisono.

 

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Graphiken/Tabellen/Bilder: Das Investor Magazin, Pixabay, USGS

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