Donnerstag , 18 April 2024
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Der Untergang der Credit Suisse und die Folgen für Bonds & Aktien!

Die Märkte sind in Aufruhr. Die UBS übernimmt per Handstreich die taumelnde Credit Suisse und bekommt 100 Mrd. Franken an Liquidität von der Notenbank. Die Probleme am Kapitalmarkt fangen damit aber erst an, denn bei den Bonds tickt eine Kreditbombe. Auch deshalb starten westliche Notenbanken eine konzertierte Aktion.

Some things never change

Eigentlich sollte nach der Finanzkrise 2008 alles besser werden. Doch ganz so weit es mit der Bankenregulierung nicht gekommen zu sein. 14 Jahre mit Niedrigzinsen haben nicht nur zu Leichtsinn bei Tech-Investoren und Aktienfans geführt, sondern auch zu Nachlässigkeiten bei großen Banken. Die Credit Suisse ist eine der größten davon, natürlich eine von 30 systemrelevanten weltweit, und nun am Ende. 1856 wurde sie als Schweizer Kreditanstalt vom Industriellen Alfred Escher gegründet, an einer Serie von fragwürdigen Geschäften ist sie nun gescheitert. So schlimm hätte es aber nicht kommen müssen. Der lokale Finanzblog Inside Paradeplatz hat die Pannenliste des Geldhauses und die Fehler der Aufsichtsbehörden gewohnt bissig dokumentiert (siehe hier). Spätestens im vergangenen Herbst hätten alle Alarmglocken läuten müssen. Und neben den strategischen Fehlern des Managements ist auch das Thema Gier wieder da, schließlich zahlte die Credit Suisse seit 2013 mehr als 32 Mrd. Franken an Boni an die Führungsriege, obwohl man kumuliert Milliardenverluste schrieb. So hat es zumindest der Tages-Anzeiger errechnet.

Nun wird der Konkurrent UBS die Credit Suisse übernehmen und bekommt noch 100 Mrd. Franken an Liquidität von der SNB. Die Schweizerische Nationalbank hofft, dass dadurch Schlimmeres verhindert wird. Die CS-Aktionäre haben bereits den Schaden. Seit Anfang 2021 hat sich der Aktienkurs gesechstelt. Noch vergangene Woche war die Bank etwa 8 Mrd. Franken wert, nun zahlt die UBS ca. 3 Mrd. Franken in eigenen Aktien. Und sie hat gut verhandelt: Erst 1 Mrd. Franken geboten, dann generös die Offerte verdreifacht und sich auch noch Garantien vom Land geben lassen. Nicht ganz so gut erwischte es den saudischen Großaktionär – beileibe kein Anfänger – der binnen weniger Monate sein Milliardeninvestment abschreiben kann. Doch es kommt noch dicker. Während die Aktionäre wenigstens noch etwas für ihre Anteilscheine bekommen, gehen die Anleihegläubiger leer aus. Die sogenannten AT1-Papiere der Credit Suisse werden als wertlos eingestuft. Diese Hybridanleihen kommen auf ein Volumen von mehr als 16 Mrd. Franken. Es wird spannend zu sehen sein, wer in den kommenden Tagen diese Anleihen als Verlust abschreiben darf. Und welches Vertrauen der AT1-Markt überhaupt noch bei Anlegern genießt? Da könnten noch Klagen folgen, denn am Kapitalmarkt gilt eigentlich die Regel, dass die Gläubiger vor den Aktionären bedient werden.

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Am Bondmarkt drohen die nächsten Milliardenabschreibungen

Da drohen also die nächsten Verluste in den Portfolios. Noch dazu hält der Druck in den Büchern der Banken an. In den USA sollen die Buchverluste bei mehr als 600 Mrd. US-Dollar durch langlaufende Anleihen liegen. Bei den europäischen Banken dürfte es nicht besser aussehen. Auf dem alten Kontinent gab es zeitweise Negativ-Renditen. Nun stehen die Zinsen bei grob 4 bis 5 Prozent. Das Volumen dieser Bonds allein liegt laut Analysten bei 18,8 Billionen Euro – Schulden überall. In Omaha, der Heimat von Warren Buffett, stauten sich am Wochenende jedenfalls die Privatjets der CEOs amerikanischer Banken, wie mehrere Webportale berichteten. Schon 2008 war der erfolgreichste Investor unserer Zeit bei Goldman Sachs eingestiegen und hatte mit seinen Milliarden zu einer Beruhigung der Lage beigetragen. Ob ihm dies auch dieses Mal gelingt? Fakt ist: Sein Kapitalmarktwissen aus den vergangenen 70 Jahren wird dringend gebraucht. Die 130 Mrd. US-Dollar an Liquidität aus seiner Holding Berkshire Hathaway könnten aber auch helfen.

Nächster Brandherd Hedge Fonds?

Bei der aktuellen Lage ist es kein Wunder, dass sich allein die US-Banken vergangene Woche mehr als 150 Mrd. US-Dollar an frischer Liquidität von der Federal Reserve besorgten. Das sind schon mal 38 Mrd. US-Dollar mehr als während der Finanzkrise 2008. Und wir stehen wohl erst am Anfang. Denn das hin und her bei den Renditen von Anleihen dürfte so manchem Hedge Fonds oder anderen Playern am Markt das Genick brechen, wie Robert Rethfeld vom Wellenreiter anmerkte:

Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber…

Als wäre das schon nicht genug, zeigen uns die Charts eine düstere Zukunft voraus. “This time is different”, hören Anleger stets am Ende jedes Börsenbooms – und viele glauben es. Aber nein, auch diesmal wiederholen sich die Dinge so, wie sie es in vorherigen Börsencrash’ getan haben. Einige clevere Analysten haben die Charts des S&P500 aus 1973, 2008 und 2023 nebeneinander gelegt. Und siehe da: Die Parallelen sind nicht zu übersehen. Klar ist aber auch: Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Dieser irrtümlich Mark Twain zugeschriebene Ausspruch könnte uns in den kommenden Monaten öfter begegnen.

Notenbanken mit konzertierter Aktion

Das heißt aber nicht, dass Anleger in Panik verfallen sollten. Panik und Angst sind an Börsen wie im Leben schlechte Ratgeber. Dennoch sollte jeder sein Aktien- und Anleiheportfolio noch einmal genau überprüfen. Dass die westlichen Notenbanken noch am Sonntag vor Mitternacht eine konzertierte Aktion gestartet haben und nun dem Bankensystem Milliarden an Dollar-Swaps bereitstellen, ist auch kein gutes Zeichen. Das aber die Federal Reserve, die Bank of Japan, die SNB und die EZB im Krisenfall an einem Strang ziehen können, aber schon.

Ob es nun eine Zinserhöhung durch die Fed geben wird, scheint mehr als fraglich. Keine Zinserhöhung könnte ein weiterer Baustein sein, um Aktien- und Bondmärkte zu beruhigen. Klar ist aber auch, dass im Hintergrund eine Rezession in den USA und eine neue Inflationswelle anläuft. Offenbar ist es nicht möglich, die Zinsen zu normalisieren. Das Finanzsystem ist nach vielen Jahren Nullzinsen immer noch zu fragil. Und mit Blick auf eine Rezession in diesem Umfeld darf man auch die Bewertungen am Aktienmarkt in Frage stellen. KGV-Schätzungen mit knapp 12 für den DAX oder 17 im Dow Jones sind aus heutiger Sicht viel zu optimistisch.

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ken/Tabellen: Das Investor Magazin, Rio Tinto

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