Donnerstag , 18 April 2024
Symbolbild Lithiumbatterie Japan Elektroauto Smartphone

Lithium-Aktien: Lohnt es sich wieder hinzuschauen?

Der Hype um die Lithium-Aktien ist vorbei. Allerdings wächst die Branche dank des Booms bei Elektroautos weiter dynamisch, wie die Zahlen von Marktführer Albemarle gezeigt haben. Für Investoren könnten sich auf dem niedrigeren Kursniveau wieder Gelegenheiten eröffnen.

Unternehmen verdienen gutes Geld!

“Wir können uns unsere Kunden aussuchen!” Diese selbstbewusste Aussage von Eric Norris, CEO von Albemarles (182 Euro | US0126531013), stammt aus diesem Frühjahr. Der größte Lithium-Produzent der Welt aus Charlotte in North Carolina hatte gerade starke Ergebnisse für das letzte Quartal 2022 gemeldet. Zudem wurden die Preisschätzungen des Konzerns für diese Dekade deutlich angehoben. Auch dank des “Inflation Reduction Act” der US-Regierung erwartet Norris ein anhaltend dynamisches Wachstum für die kommenden Jahre.

Lithium-Aktien: Vom Hype in den Börsenkeller!

Dabei war der Lithium-Hype zumindest am Aktienmarkt zu diesem Zeitüunkt schon vorbei. Der Lithiumpreis an den wenig transparenten Spotmärkten in China hatte sein Top im Herbst 2022 gesehen. Allein seit Jahresanfang 2023 hat sich der Preis inzwischen halbiert. Dementsprechend nützten beste Unternehmenszahlen und Prognosen nichts. Das schwierige Börsenumfeld und der sinkende Spotpreis haben auch die Aktien hart getroffen. So haben sich die Papiere von Albemarle seit dem Allzeithoch im vergangenen Jahr in der Spitze halbiert. Ähnlich dramatisch waren die Verluste bei den Aktien der Nummer zwei, SQM (56,60 Euro | US8336351056) aus Chile. Und auch die zweite Reihe wurde hart getroffen. Einst als aussichtsreich gehandelte Unternehmen Lithium Americas (17 Euro | CA53680Q207) aus Kanada oder Allkem aus Australien verloren allesamt die Hälfte ihres Börsenwerts oder gar mehr.

Große M&A-Aktivitäten der Lithium-Produzenten!

Dass die Branche weiter optimistisch ist, zeigen die Übernahmeaktivitäten. So hat sich Albemarle bei Patriot Battery Metals (1,29 Euro | AU0000251258) aus Australien beteiligt. Zudem haben die US-Amerikaner inzwischen drei Übernahmeangebote für Liontown Resources (1,60 Euro | AU000000LTR4) abgegeben, das Management lehnt aber bisher stets ab. SQM wiederum hat für Azure Minerals (2,57 Euro | AU000000AZS2) geboten, doch auch hier wurde dies vom Vorstand zurückgewiesen. Laut dem Wall Street Journal soll Exxon (102 Euro | US30231G1022) 100 Millionen US-Dollar für Bohrrechte im US-Bundesstaat Arkansas ausgegeben haben und spreche bereits mit Autoriesen wie Volkswagen (113,80 Euro | DE0007664039) und Tesla (257 US-Dollar | US88160R1014) über Abnahmeverträge. Auch der Öl-Konzern drängt ebenso wie der Bergbauriese Rio Tinto (57,90 Euro | GB0007188757) mit Macht ins Lithium-Geschäft. Offenbar glauben die Unternehmenslenker, dass sich hier ein komplett neuer Markt dauerhaft etabliert.

Folgen Sie uns auf X (Twitter) und Facebook!

Elektroauto-Boom treibt Nachfrage an!

Der Hype am Aktienmarkt ist zwar vorbei, aber das Wachstum der Branche geht weiter. Befeuert wird die Nachfrage durch den Boom bei Elektroautos. Deren Marktanteil soll in diesem Jahr auf bis zu 18 Prozent an den neu zugelassenen Fahrzeugen liegen – weltweit. Die Analysten von Benchmark Minerals Intelligence gehen davon aus, das sich allein in Nordamerika die Nachfrage nach Lithium bis 2035 fast vervierzehnfachen werde. Dynamisch werde das Wachstum auch in Europa und Ostasien sein, allerdings haben vor allem die USA in Sachen Elektrifizierung des Verkehrs einen viel höheren Nachholbedarf.

Albemarle überzeugt auch im zweiten Quartal

Diese starke Nachfrage macht sich auch beim Branchenführer bemerkbar. Albemarle hat im zweiten Quartal (das 4. Quartal im GJ) die Schätzungen des Marktes deutlich übertroffen. So stieg der Umsatz um 60 Prozent auf 2,4 Mrd. US-Dollar. Der Nettogewinn betrug 650 Mio. US-Dollar, ebenfalls ein Zuwachs um 60 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Pro Aktie lag der Gewinn bei 7,33 US-Dollar und damit mehr als doppelt so hoch wie im Q2 2022 (ausführlich hier). Mit den Zahlen meldete der Konzern auch gleich ein neues Lieferabkommen mit der Ford Motor Company (11,08 Euro | US3453708600). So werde der Autokonzern 100.000 Tonnen an batteriefähigem Lithium für die Jahre 2026 bis 2030 abnehmen. Diese langfristigen Verträge sind es, die das Geschäft der Lithium-Produzenten so transparent und planbar machen. Gleichzeitig dürfen Anleger nicht vergessen, dass bei diesen langlaufenden Vereinbarungen der Spotmarkt in China nicht relevant ist. Ähnlich wie am Uranmarkt macht der Lithium-Spotmarkt nur einen winzigen Teil des Marktes aus und steht vor allem für kurzfristige Lieferungen. Dementsprechend sind die Schwankungen dort zwar nicht vernachlässigbar, aber bisher kein guter Anhaltspunkt um die Lage am Markt richtig einschätzen zu können.

Nebenwert oder Marktführer?

Die Aktie von Albemarle hat im April und Ende Juli jeweils ein Tief ausgebildet, dass offenbar Grund genug war für viele Anleger, um wieder einzusteigen. Jedenfalls zieht die Aktie seit Vorlage der Ergebnisse wieder an und liegt bereits mehr als 10 Prozent über dem Tief, aber noch weit vom Allzeithoch entfernt. Die Stimmung scheint sich also zu bessern. Tatsächlich kann aber derzeit niemand die Börsenlage realistisch einschätzen. Selbst wenn viele Lithium-Produzenten weiter kräftig wachsen, würden die Aktien bei einer Korrektur im Gesamtmarkt wahrscheinlich deutlich abgeben. Das bringt eine Marktkorrektur nun einmal mit sich. Alternativ lohnt es sich für Investoren auf kleinere Unternehmen im Lithium-Segment zu schauen. Hier sind die Bewertungen niedriger als bei Large Caps (siehe Graphik oben), Chancen und Risiken aber gleichermaßen höher. Consolidated Lithium Metals (0,06 Euro | CA2094161064) entwickelt beispielsweise drei Lithium-Projekte in der kanadischen Provinz Québec. Im Fokus steht dabei das Flaggschiffprojekt Vallée. Im Gegenstaz zu vielen andere Lithium_Explorern hat CLM aber einen klaren Vorteil. Das Unternehmen hat mit Sayona Mining einen Joint Venture-Partner gefunden, der die Exploration des Projekts mit 10 Mio. Dollar finanziert. Der australische Konzern hält bei Erfüllung der vereinbarten Explorationsziele 50 Prozent an dem Projekt und betreibt direkt angrenzend bereits eine Lithium-Verarbeitungsanlage, die in der Zukunft auch von Vallée aus mit Lithium versorgt werden könnte. Allein in diesem Jahr werden 4 Mio. Dollar in die Exploration fließen. Die Aktie von CLM gilt unter Investoren noch als weitgehend unentdeckt und bietet dementsprechend große Chancen für risikobewusste Anleger. Der Börsenwert beträgt umgerechnet lediglich 22 Mio. Euro. Ein großes Plus: Management und Insider halten etwa 20 Prozent der Anteile. Investoren sollten aber bitte daran denken, dass – egal ob Nebenwert oder Marktführer – die Risiken am Aktienmarkt derzeit hoch sind. Daher sollte bei einem Investment ein längerer Zeithorizont berücksichtigt werden.

Das könnte Sie auch interessieren:

Graphiken/Tabellen/Bilder: Das Investor Magazin, Pixabay

_____________________________________________________________________________________

DISCLAIMER. BITTE UNBEDINGT BEACHTEN!

Hinweis auf mögliche Interessenskonflikte gemäß Paragraph 34 WpHG i.V.m. FinAnV: Mitarbeiter, Berater und freie Redakteure von www.investor-magazin.de können jederzeit Aktien an allen vorgestellten Unternehmen halten, kaufen oder verkaufen. Das gilt ebenso für abgeleitete Finanzinstrumente. Sollte ein Mitarbeiter, Berater oder freier Redakteur das hier vorgestellte Wertpapier besitzen, wird dies an dieser Stelle genannt. Der Autor besitzt keine der im Artikel genannten Aktien. Hinweis auf Interessenkonflikte: Der Betreiber dieser Webseite steht zu dem in diesem Artikel besprochenen Unternehmen (Consolidated Lithium Metals) in entgeltlicher Auftragsbeziehung. Daher besteht hier ein eindeutiger Interessenkonflikt.
Zudem weisen wir gerne auf die Broschüren der BaFin zum Schutz vor unseriösen Angeboten hin:
Geldanlage – Wie Sie unseriöse Anbieter erkennen (pdf/113 KB)
Wertpapiergeschäfte – Was Sie als Anleger beachten sollten (pdf/326 KB)
Risikohinweis: Wir weisen darauf hin, dass der Erwerb von Wertpapieren jeglicher Art hohe Risiken birgt, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können – oder darüber hinaus. Jegliche auf dieser Webseite verbreiteten Artikel rufen explizit nicht zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren auf. Es kommt weder eine Anlageberatung noch ein Anlagevermittlungsvertrag mit dem Leser zustande. Die hier dargestellten Informationen beziehen sich auf das Unternehmen und nicht auf die persönliche Situation des Lesers. Grundsätzlich möchten wir Ihnen Ideen für unseres Erachtens aussichtsreiche Investments geben. Bitte passen Sie diese dann an Ihre individuelle Strategie und persönliche Finanzsituation an. Und bitte vergessen Sie nicht: Wir haben keine Glaskugel, wir haben aber viel Erfahrung und Wissen. Daher raten wir stets dazu, dass Sie als Leser Ihren Kopf benutzen und Ihre eigenen Analysen erstellen sollten: Do your own Due Dilligence!
Datenschutz: Wir geben Ihre Daten nicht an externe Dritte weiter. Aufgrund der neuen Datenschutz Grundverordnung haben wir unsere Datenschutzerklärung aktualisiert. Sie können sich für unseren kostenlosen Newsletter hier anmelden. Eine Abmeldung ist jederzeit per Mail an info (at) investor-magazin.de möglich.
Keine Haftung für Links: Mit Urteil vom 12.Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch die Ausbringung eines Links die Inhalte der verlinkten Seiten ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur dadurch verhindert werden, dass man sich ausdrücklich von diesem Inhalt distanziert. Für alle Links auf dieser Webseite gilt: Der Betreiber distanziert sich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller verlinkten Seiten und macht sich diese Inhalte nicht zu Eigen.
Keine Finanzanalyse: Der Herausgeber weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei den Besprechungen um keine Finanzanalysen nach deutschem Kapitalmarktrecht handelt, sondern um journalistische und/oder werbliche Texte. Sie erfüllen deshalb nicht die Anforderungen zur Gewährleistung der Objektivität von Anlageempfehlungen. Bitte beachten Sie außerdem: Die Nutzung dieses Informationsangebots ist ausschließlich Personen vorbehalten, die ihren dauerhaften Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland haben.
Urheberrecht: Der Inhalt und die Struktur dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt und Eigentum des Betreibers. Sie dürfen nicht ohne vorherige schriftliche Zustimmung weder verwendet noch reproduziert werden, auch nicht auszugsweise. Der Betreiber ist bestrebt, in allen seinen Publikationen die Urheberrechte der verwendeten Grafiken, Bilder und Texte zu beachten. Allein aufgrund der bloßen Nennung oder Nichtnennung von Rechten Dritter ist nicht der Schluss zu ziehen, dass diese nicht geschützt sind! Sollte der Betreiber dennoch gegen Rechte Dritter verstoßen haben, wird er unter dem Vorbehalt der Prüfung unverzüglich jegliche Dateien entfernen, sofern er auf die Rechtsverletzung schriftlich hingewiesen wurde.

Check Also

Kupfer Ero Copper Brasilien

Ero Copper: Auf den Kupferpreis-Anstieg setzen!

“Außer Spesen, nichts gewesen”, könnten wir zu unserer Analyse von Ero Copper im März 2023 …